Bringt die Toten raus!

      Bringt die Toten raus!

      Die Sonne ging auf über den Obol-Ebenen und tauchte Grauenende in ein grauenhaft helles Licht. Dabei war Licht so ziemlich das letzte, was Oligar jetzt gebrauchen konnte. Er brauchte endlich Erfolge.

      Wieder einmal war er mit seinem Projekt gescheitert, das perfekte Kampfhuhn zu züchten. Geflügelzucht war gar nicht mal so einfach, wie er hatte feststellen müssen.
      Irgendwie gingen ihm die Hühner immer ein, bevor er sie in der Schlacht testen konnte, was ihm bei den anderen Bewohnern von Grauenende auch seinen Spitznamen eingetragen hatte: Oligar von den Toten.
      Wahrscheinlich hatte er sie nur etwas zu selten gegossen oder diese komischen Federn, die immer wieder bei einigen der Hühner wachsen wollten, nicht gründlich genug entfernt.
      Betrübt schaute er auf seine Handpuppe Hartmut, die auch in diesen schweren Zeiten jederzeit bedingungslos zu ihm gehalten hatte. Immer wieder hatte sie ihm Mut zugesprochen und ihn aufgerichtet, wenn er wieder mal einen Rückschlag zu verzeichnen hatte. Die anderen hatten nur gelacht. Hatten sich über Hartmut lustig gemacht!
      Aber sobald sein neuestes Vorhaben fertig war, wäre Schluss damit.
      Niemand würde dann mehr über ihn lachen. Sie würden nur noch leise seinen Namen flüstern. Und es würde Furcht sein in ihren Stimmen!

      Oligar zog sich an und machte sich auf den Weg zu seiner Werkstatt im Keller. Seitdem diese nervigen Geister mit ihren Ketten von dort ausgezogen waren, konnte er endlich in Ruhe an seinem Werk arbeiten, welches nun kurz vor der Vollendung stand.
      Auf dem Gang wäre er jedoch beinahe von einem Typen umgerannt worden, der mit irrem Lachen an ihm vorbei stolperte und dabei etwas rief, was sich entfernt anhörte wie "Irgendwo reinstecken!".
      So ein Verrückter, dachte sich Oligar. Wahrscheinlich hatte der Typ zuviel von dem Reinigungsmittel für die Waffen selbst verbraucht.
      Plötzlich fiel ihm etwas Merkwürdiges auf: Na sieh mal einer an, ich kann ja kursiv denken. Toll!
      Mit etwas besserer Laune schlenderte er weiter Richtung Werkstatt, wo er sich wieder an die Arbeit machte.

      Vorbei waren die Zeiten, an denen er sich vergeblich mit diesen gackernden Hühnern plagen musste. Kampfgrabsteine waren die Zukunft.
      Winzige steinerne Kolosse würden gnadenlos und zusätzlich als Werbefläche vermarktbar über das Schlachtfeld stapfen und den Gegner in Angst und Schrecken versetzen. Oder zumindest könnten sie ihm in Bodennähe die Sicht versperren, bis die eigenen Truppen sich in Sicherheit gebracht hätten.
      Oligar würde in die Geschichte eingehen, als der härteste Kampfgrabsteinmetz aller Zeiten. Ein kleines Freudentränchen stahl sich in seine Augen.

      So. Nur noch ein paar Feinheiten hier ändern *meißel* und ein bisschen an der Stelle weg. *klopf* *hämmer*
      Fast perfekt. Nun noch ein kleines rotes Schleifchen um die Mitte...

      Oligar zerrte und zog an dem recht widerspenstigen Grabstein, was diesem jedoch nicht so recht gefiel. Seinen Unmut brachte der Stein durch ein plötzlichen Umkippen nach vorne zum Ausdruck, was für den Helden unserer kleinen Geschichte leider einen recht unerfreulichen Übergang in einen anderen Zustand seines Lebenszyklus zur Folge hatte.



      Disclaimer: bei den Aufnahmen zu der nachgestellten Szene wurde natürlich nicht der echte Oligar verwendet, sondern nur ein Stuntman.

      PS: Falls sich jemand fragt, wo VME auf diesem Bild sind - wir sind hinter einem der Grabsteine (die sind in Wirklichkeit ja vieeeeeeel größer als man denkt) und verteilen das Loot.